Faszination Bondage – Mehr als ein Fetisch

Faszination Bondage – Mehr als ein Fetisch
Vielleicht habt Ihr von diesem Wort schon einmal gehört – es klingt so verrucht, geheimnisvoll und irgendwie verboten – Bondage. Doch was versteckt sich hinter diesem Begriff? Und ist das nur etwas für Profis der dunklen BDSM-Kunst? Kann ich das als Laie in mein Sexleben integrieren? Was wird mein Partner davon halten und wie fange ich damit überhaupt an?

Wenn Euch einer von diesen Gedanken schon mal durch den Kopf gegangen ist, seid Ihr nicht allein. So oder so ungefähr geht es vielen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema Bondage auseinandergesetzt haben.

Bondage ist mehr als nur ein Fetisch

Eines merkt man relativ schnell, wenn man sich mit Bondage befasst. Es geht um so viel mehr als nur um einen Fetisch. Es geht um Vertrauen. Um Loslassen. Um absolute Kontrolle. Das Geniale daran? Auch bereits mit kleinen Nuancen und Anreizen könnt Ihr Euer gemeinsames Liebesspiel richtig anheizen und interessanter gestalten. Ganz ohne Kerker und gruselig wirkende Toys, die Ihr in Filmen und Serien gesehen habt.

Neugierig geworden? Willkommen bei der süßen Kunst des Fesselns und gefesselt werden. Ihr werdet es nicht bereuen und wenn, dann wird sich dieses Bereuen unglaublich prickelnd anfühlen.

Was ist Bondage?

Bondage hat eine lange Geschichte, die sich viel länger durch unsere europäische Historie zieht, als man zuerst annehmen mag. Bereits aus dem 18. Jahrhundert sind uns erste Illustrationen bekannt, die erotische Darstellungen von Bondage zeigen. Im 19. Jahrhundert sind vor allem die Zeichnungen des Grafikers Marquis Franz von Bayros bekannt.

Bondage lässt sich grundsätzlich als “Fesselung” beschreiben – das englische Wort selbst kann als “Knechtschaft” übersetzt werden oder als “Unfreiheit”. Im Bondage geht es also primär um Freiheitsberaubung, die Einschränkung Eurer Bewegung, oder das lustvolle Kontrollieren Eures Partners.

Diese Fesselungen lösen sowohl in Vorspielen als auch Rollenspielen unglaubliche sexuelle Reize aus. Bondage ist für Menschen geeignet, die es genießen, Macht über jemanden auszuüben. Auch wenn Ihr Euch lieber den Befehlen Eures Partners unterwerft, seid Ihr bei Bondage richtig. Hierbei benötigt es keinerlei aufwendiger Hilfsmittel. Bereits mit einem einfachen Bondageseil können die ersten Schritte zu Fesselspielen gemacht werden.

Wir können nicht genug betonen, dass Fetische an sich nichts Verwerfliches sind – solange alle Beteiligten dem zustimmen. Wenn du dich also zu bestimmten Kleidungsstücken, Situationen oder Gegenständen hingezogen fühlst, ist das nichts verwerfliches.

Bondage als Teil des BDSM

Bondage als Teil des BDSM

BDSM steht für “Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism” – ist also ein Sammelbegriff für viele verschiedene Praktiken, die sich mit Machtverhältnissen zwischen Partnern auseinandersetzen. Das ist zwar oft sexuell, muss es aber nicht zwingend sein.

Für viele Menschen ist “BDSM” auch ein regelrechter Lebensstil, der sich daher nicht nur auf das Schlafzimmer (oder wo auch immer Ihr Euren Gelüsten nachgeht) beschränkt. Egal, ob es sich hierbei um Rollenspiele handelt oder um das reine Benutzen von Toys, die leichte bis starke Schmerzen auslösen und Euch dadurch mit dem sogenannten “Lustschmerz” beglücken – BDSM ist vor allem eines: Vielfältig. Es ist keineswegs nur etwas für Menschen, die auf Schmerzen stehen, was leider oft in den Medien so dargestellt wird.

Dadurch haben viele Menschen ein verzerrtes und einseitig gefärbtes Bild von dieser aufregenden Seite der Sexualpraktiken. Dabei lohnt es sich, Eurer Neugierde zu folgen, ganz fernab von all den Dingen, die Ihr vielleicht bis jetzt über BDSM gehört habt. BDSM ist immer nur das, was Ihr daraus macht und worauf Ihr Euch einlassen wollt. Genauso verhält es sich natürlich auch beim Bondage.

Ihr werdet vielleicht überrascht sein, was Ihr über Euch selbst erfahren könnt, wenn Ihr Euch eingehender mit diesem Thema beschäftigt. Dazu lädt diese oft als “dunkel” empfundene Tür nämlich ein: Zum Kennenlernen deiner eigenen Grenzen und Vorlieben.

Darum geht es beim Bondage

Beim Bondage ist es ähnlich wie beim BDSM. Vielleicht stellt Ihr Euch dabei geknebelte Menschen vor, die mit großen Augen darauf warten, was ihnen Ihr Dom gleich bescheren wird? Oder Ihr habt noch so gar keine Vorstellung davon, wisst nur, dass es “irgendwas mit Fesseln” zu tun hat?

Bondage lässt sich grob, wie oben bereits erwähnt, als Fesselspiele umschreiben. Natürlich ist dieser Begriff laienhaft ausgedrückt und darf nicht als absolute Übersetzung gesehen werden, denn Bondage bedeutet nicht nur Fesseln.

Machtverhältnisse aufteilen

Bondage fängt da an, wo Ihr die Machtverhältnisse aufteilt. Das kann bereits mit zwei Handfesseln sein, die weich gepolstert sind und angenehm um die Handgelenke liegen. Oder einem Bondageseil, womit Ihr Euren Partner an das Bett fesselt.

Es geht gar nicht so sehr um das “Wie”, sondern eher um das Erlebnis an sich. Man merkt relativ schnell, was mit einem selbst passiert, wenn man wegen eines weichen Seils plötzlich die Arme nicht mehr frei bewegen kann. Bondage ist also ein Spiel, das in Eurem Kopf stattfindet, der psychische Faktor bei den Fesselspielen ist hier der wahre Machthaber und Auslöser purer Lust.

Unbekannte Seiten entdecken

Menschen, die vorher immer geglaubt haben, dass sie eher unterwürfig sind, entdecken plötzlich eine ganz andere Seite an sich. Oder sie bemerken genau das Gegenteil. Sich lustvoll fesseln zu lassen oder jemanden in gewisser Weise zu dominieren, gehört für viele zu einer sexuellen Fantasie, die oft unterdrückt wurde oder noch nicht einmal bekannt ist? Vielleicht schlummert auch in Euch eine Seite, die Ihr im Alltag niemals erwartet hättet?

Die Vielfältigkeit von Bondage

Die Vielfältigkeit von Bondage

Bondage hat viele Gesichter, dazu gehören z.B. Fesselspiele mit Handschellen, mit Bondageseilen, Halsbändern in Kombination mit Knebeln, oder heiße Befestigungen am Andreaskreuz, am Bett, am Türrahmen uvm.

Auch im Alltag kann Bondage eine heiße und dauerhaft präsente Rolle spielen. Vielleicht erinnert Euch ein Keuschheitsgürtel unter der lockeren Hose daran, was später noch in Eurem Schlafzimmer auf Euch wartet? Oder Ihr zeigt Eurem Partner mit einer Leine, wo es lang geht?

Mehr als Fesselspiele

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, Bondage auszuleben und zu beginnen:
Verbale Bondage: Man braucht für Fesselungen keine physischen Sexspielzeuge. Reine Befehle, die dein Partner in seinem bzw. ihrem Alltag einschränken, gehören auch zu Bondage und können unheimlich reizvoll sein.

Alltägliche Gegenstände

Für Bondage brauchst man keine teuren Produkte, die man dazu noch erst kaufen musst. Von Strumpfhosen, Schals, Gürtel und Krawatten bis hin zu Decken könnt Ihr Eurer Fantasie freien Lauf lassen. Achtet jedoch immer darauf, dass Ihr Euch langsam an Fesselungen herantastet und Eurem Partner oder Euch selbst noch genug Freiraum bietet, damit die ersten Spiele locker und sicher stattfinden.

Augenbinden

Es gibt eine Vielzahl an Augenmasken in Shops, doch Ihr könnt hierfür auch einfach zu einem Schal oder heißen, aber blickdichten Strumpfhosen greifen. Mit professionellen Augenbinden werden Fesselungen noch einmal richtig angekurbelt.

Ketten & Seile

Die wohl bekannteste Art, die einem zu Bondage-Spielen einfällt. Hier gibt es speziell angefertigte Bondageseile, oder Ketten, die jedoch eher für Profis geeignet sind. Für den Anfang reicht ein günstiges Bondageseil, mit dem die ersten Fesselungen ausprobiert und geübt werden können. Materialien reichen hier von Kunstfasern bis zu Baumwolle oder Leder und noch viel mehr.

Achtet bei Spielen mit Seilen immer darauf, eine geeignete Schere griffbereit zu haben, damit Ihr im Notfall schnell die Fesselung auflösen könnt.

Obwohl Nylon- und Strumpffetische oft mit anderen Vorlieben Hand in Hand gehen (Rollenspiele, Bondage oder andere Machtstrukturen), ist die Kombination Fuß- und Nylonfetisch bei derselben Person ausgesprochen selten.

Kabelbinder

Auch eher etwas für Erfahrene. Mit handelsüblichen Kabelbindern lassen sich unruhige Handgelenke sehr effizient und stark fesseln. Diese Art der Freiheitsbeschränkung schmerzt allerdings sehr schnell an den Händen und ist wirklich nur etwas, wenn man bereits Erfahrungen mit Bondage gemacht hat.

Handschellen

Wer kennt sie nicht: Die berühmten Handschellen mit Plüsch. Oder ohne. Aus glattem Metall, oder aus Leder – ganz egal, welche Materialien benutzt werden – Handschellen kennt jeder. Und das aus gutem Grund. Sie bieten einen wunderbaren Einstieg in die heiße Bondage-Welt, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Besonders Handschellen mit weichem Plüscheinsatz eignen sich super, damit Ihr sicherstellt, dass Eure ersten Schritte komfortabel verlaufen. Achtet darauf, dass Ihr die mitgelieferten Schlüssel nicht verliert.

Knebel

Auch Knebel gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Ausführungen. Ob Ihr nun zum Ballknebel greift oder Euren Liebsten erstmal mit einem Tuch das Widersprechen verwehrt, diese Toys sind in der Unterwerfung in Kombination mit weiteren Fesselungen unheimlich beliebt. Auch in Verbindung mit einer Augenmaske ist ein Knebel im Mund extrem reizvoll. Durch den entstandenen Sinnesentzug fühlt man sich dem eigenen Partner plötzlich schutzlos ausgeliefert.

Halsbänder

Kaum ein Toy ist wohl so repräsentativ für BDSM wie das Halsband. Perfekt in Kombination mit einem O-Ring, an dem Ihr eine Leine befestigen könnt. Auch hier sind Eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt zum Beispiel damit starten, Eurem Partner durch die Wohnung zu führen.

Denkt daran, Bondage bedeutet vor allem Freiheitsberaubung, was nicht zwingend Fesselungen beinhalten. Natürlich ist das in Kombination mit einem schicken Halsband extrem lustvoll und so eine Leine kann sich als sehr praktisch erweisen, wenn man dem gefesselten Partner zeigen möchte, auf was er oder sie seine oder ihre Aufmerksamkeit richten soll.

Egal, ob Fellhandschuh oder Fursuit, dieser Fetisch hat viele Facetten – und oft schotten sich seine Anhänger bewusst von der Außenwelt ab, da es schwierig sein kann, eine:n Partner:in zu finden, mit dem/der sie diesen ausleben können.

Masken

Beim Thema “Sinnesentzug” sind Masken ein oft gesehenes, sehr beliebtes Mittel, um dem Partner gewisse Freiheiten zu entziehen. Sei es die Sicht, oder auch durch einen Knebel die Möglichkeit, zu sprechen. Masken können auch für Rollenspiele perfekt eingesetzt werden, wenn man zum Beispiel auf Petplay steht, hat eine Hundemaske einen ganz eigenen Reiz. Masken sind übrigens in Kombination mit Dildos eine sehr heiße Angelegenheit.

Egal, ob Fellhandschuh oder Fursuit, dieser Fetisch hat viele Facetten – und oft schotten sich seine Anhänger bewusst von der Außenwelt ab, da es schwierig sein kann, eine:n Partner:in zu finden, mit dem/der sie diesen ausleben können.

Bondage benötigt vor allem eins: Vertrauen

Bondage-Regeln: Das solltet Ihr beachten

Damit bei Euren ersten Abenteuern in der heißen Welt von Bondage nichts schief geht, ist es wichtig, ein paar Regeln zu beachten. Keine Sorge, wenn Ihr Euch erstmal mit dem Thema beschäftigt habt, werdet Ihr sehen, dass die meisten Regeln einfach zu verstehen sind und Euch am Ende des Tages helfen, Eure eigenen Erfahrungen sicher erleben zu können.

Blindes Vertrauen

Bondage benötigt vor allem eins: Vertrauen. Aus diesem Grund ist Bondage auch nicht unbedingt etwas für Euch, wenn Ihr Euch gerade erst kennengelernt habt – es sei denn natürlich, einer von Euch ist schon Vollprofi. Trotzdem ist es ratsam, sich gut zu kennen und vollends zu vertrauen.

Da es beim Bondage immer darum geht, dass einer von Euch beiden einen Teil seiner Freiheit, egal ob nun durch Toys oder durch verbale Befehle, an den anderen abgibt, funktioniert das nur, wenn Ihr Euch blind vertrauen könnt.

Du weißt nicht, ob du das kannst?

Dann sprich mit deinem/-r Partner/-in darüber, denn offene Kommunikation, in der sich keiner von Euch schämen muss, ist ein Zeichen von Vertrauen und Sicherheit innerhalb Eurer Beziehung zueinander. Das gilt übrigens nicht nur für Euer Sexleben, sondern für eine gute Partnerschaft allgemein.

Achtet auf eine klare Rollenverteilung

Kommunikation ist das A&O bei Bondage und jeder anderen BDSM-Praktik. Dazu gehört auch eine klar abgesprochene Rollenverteilung. Ihr solltet nicht spontan die Seite wechseln, es sei denn, genau diese Flexibilität ist vorher mit Eurem Partner abgesprochen worden.

Was sonst passieren könnte, wäre fatal und ein Stimmungs-Killer. Als Beispiel:

Euch gefällt es zwar, dem Partner gehorchen zu müssen, wollt Ihr dann aber mittendrin plötzlich auch mal die andere Seite der Machtverteilung ausprobieren und kontert mit einem eigenen Befehl. Wenn Ihr das vorher nicht abgesprochen habt, wird dies einfach als “Ungehorsam” interpretiert und dementsprechend vielleicht bestraft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das könnte für Euch in der Hitze des Gefechts zu Missverständnissen führen. Wieso versteht dein Partner denn nicht, dass du jetzt der Boss bist, und nicht er oder sie? So ist nicht nur Eure Lust schnell verflogen, sondern auch das Vertrauen, das Ihr unbedingt braucht, um Euch wirklich fallen lassen zu können.

Diese unangenehme Situation lässt sich ganz einfach verhindern. Sprecht mit Eurem Partner zu Beginn Eurer Bondage-Session klar ab, wer auf welcher Seite der Macht steht. Wenn Ihr Euch beide erstmal ausprobieren wollt, ist das ja auch gar kein Problem. Dann wechselt Ihr Euch einfach ab. Hauptsache, Ihr wisst beide voneinander ganz genau, wo derjenige steht und das zu jeder Zeit Eurer Session.

Falls Ihr Euch nicht gleich einig werdet, probiert einfach mal Folgendes: Anstatt lange Bondage Sessions könnt Ihr Eure ersten Schritte kurz halten, in denen jeder den anderen dominieren darf. Zehn Minuten können sich sehr heiß anfühlen. Mit diesen kurzen Testphasen schlagt Ihr gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Ihr könnt nicht nur schauen, was Euch persönlich am meisten gefällt, sondern auch gleich Eure Toys ausprobieren. Nach diesen Sessions setzt Ihr Euch dann einfach mit Eurem Partner zusammen und sprecht über alles. Was hat wem gefallen? Was eher nicht? Gibt es irgendwelche Tabus, die Euch jetzt schon aufgefallen sind oder braucht Ihr noch ein paar Anläufe, um ein paar Befehle austeilen zu können?

Geht Eure ersten Erfahrungen einfach ganz locker an. So funktioniert es dann auch mit der klaren Rollenverteilung. Ihr werdet schnell wissen, was Euch am besten gefällt oder Ihr gehört einfach zu den Leuten, die es genießen, mal auf beiden Seiten der Medaille stehen zu dürfen.

Grenzen bei Bondage überschreiten

Keine Grenzen überschreiten

Neben Vertrauen ist das Thema Grenzen wohl das wichtigste für Bondage. Ihr dürft zu keinem Zeitpunkt die Grenzen Eures Partners überschreiten. Das gilt natürlich für beide Seiten. Sobald dies geschieht, müsst Ihr Euer Liebesspiel sofort abbrechen und in die Klärung gehen. Wieso wurde Eure Grenze ignoriert, obwohl Ihr diese vorher abgesprochen habt? War die Kommunikation vielleicht zu undeutlich?

Vielleicht wirkt es nach außen hin ein wenig übertrieben, doch bei allen BDSM-Praktiken ist es unheimlich wichtig, dass Ihr die Grenzen des anderen respektiert und einhaltet. Immerhin geht es hier um absolutes Loslassen, um blindes Vertrauen. Alles Worte, die schnell leer und dumpf klingen, wenn ein Partner keine von Euren Abmachungen einhält. Natürlich kann man mal Fehler machen – wir sind alles nur Menschen. Stellt hier jedoch klar, dass es sich um ein Versehen handelte und korrigiert Euch direkt selbst, entschuldigt Euch und stellt Euch zu 100 Prozent auf die Bedürfnisse des anderen ein. Möchte dein Partner weitermachen? Braucht er oder sie erstmal eine Pause? Genau wie bei allen anderen Dingen in Eurer Beziehung auch, die Ihr vorher abgesprochen habt, gilt so eine Überschreitung erstmal als Vertrauensbruch. Dieses Vertrauen im Anschluss wieder aufzubauen, ist meist ein sehr langwieriger Prozess.

Im schlimmsten Fall brecht Ihr also mit dem Überschreiten nicht nur eine Grenze, sondern auch das Vertrauensverhältnis zu Eurem Partner. Deshalb gilt: Keine Grenzen überschreiten. Zu keinem Zeitpunkt.

Wenn du einen Fetisch hast, bei dem du deine:n Partner:in gern in bestimmter Wäsche sehen würdest – und bisher noch nicht mit ihm/ihr darüber geredet hast, kann das gemeinsame Stöbern im Netz ein guter Einstieg in das Thema sein.

Findet ein Safeword

Damit dieses angesprochene Vertrauen auch bestehen kann, ist das Absprechen eines Safewords sehr wichtig und sollte in Euren Gesprächen vor Eurer ersten Bondage-Session absolute Priorität haben. Wieso, fragt Ihr Euch?

Ein Safeword ist ein von Euch ausgedachtes, ausgewähltes Wort, das als Sicherheitsnetz gilt, sozusagen als Rettungsanker. Falls Euch mal irgendwas zu viel wird oder Euer Partner eine Pause braucht, kann dieses Wort einfach ausgesprochen werden. Dann wisst Ihr beide: Hier ist eine Grenze. Wir müssen sofort abbrechen.

Deswegen solltet Ihr auf keinen Fall jemals ein BDSM-Erlebnis mit jemandem eingehen, der Euch versichert, dass Ihr kein Safeword braucht. Das ist eine absolute “Red Flag” und für Euch ein klares Zeichen, dass derjenige oder diejenige nicht Eure persönliche Sicherheit und Euer Wohlbefinden im Sinn hat. Auch wenn in BDSM oft mit dem Lustschmerz gespielt wird, solltet Ihr Euch zu jedem Zeitpunkt im Innersten wohlfühlen können. Das funktioniert nur mit einem Sicherheitsnetz, das Euch jederzeit auffangen kann, wenn mal alles zu viel wird.

Ein Safeword kann alles sein. Oft wird zum Beispiel das Wort „Rot” benutzt, weil ein Einfaches “Nein” eher schwierig wird. In vielen Machtspielen gilt ein “Nein” nämlich eher als heiße Widersetzung, und Ihr werdet auch in der unterwürfigen Rolle oft zum “Nein” greifen, obwohl Ihr eigentlich genau das wollt, was Euer Partner gerade mit Euch anstellt. “Stopp” eignet sich hier schon eher, auch wenn “Rot” sinnvoller ist: Wann sagt Ihr schon eine Farbe mitten im heißen Liebesspiel?

Es ist in jedem Fall ratsam, zu einem Wort zu greifen, das nicht falsch verstanden werden kann. Solange es diese Anforderung erfüllt, könnt Ihr Euch ausdenken, was Ihr wollt.

Bondage bedeutet selbstbewusst zu sein

Seid selbstbewusst

Zugegeben, “seid selbstbewusst” klingt einfacher, als es ist. Selbstbewusstsein ist nicht etwas, das irgendwann einfach an eure Tür klopft und bei Euch bleibt. Selbstbewusstsein bedeutet, sich etwas zu trauen und Bondage gehört definitiv in diese Kategorie. Ihr braucht nicht erst hunderte von Bondage Sessions hinter Euch gebracht haben, bis Ihr selbstbewusst auftreten könnt.

Wenn Ihr also noch ganz am Anfang steht und Euch richtige Unsicherheit plagt, befolgt die oberen Tipps. Damit fühlt Ihr Euch bestimmt ein wenig sicherer. Wenn es dann noch an dem letzten Stück Mut fehlt, hilft der Spruch “Fake it ‘till you make it” immer wieder Wunder. Ihr seid nervös vor Euren ersten Spielen? Kein Problem! Stellt Euch vor, dass Ihr jemand seid, der das schon ganz oft gemacht hat. Spürt richtig, wie sich das anfühlen muss, so jemand zu sein. Lebt alles im Kopf durch, bis in das kleinste Detail.

Bondage bedeutet selbstbewusst zu sein

So bereiten sich nicht nur oft Spitzensportler auf Wettkämpfe vor. Es hilft auch ungemein, um im Sexleben mehr Selbstbewusstsein zu bekommen. Und vergesst nicht, Euer Partner fühlt sich sicherlich genauso unsicher, ist nervös und aufgeregt. Sprecht Euch vorher ab, sagt Euch die Wahrheit, bleibt offen. Immerhin geht Ihr das Ganze gemeinsam an. Bondage ist ein Spiel mit Mehreren, auch wenn es so etwas wie “Self-Bondage” gibt, was, aufgrund der höheren Verletzungsgefahr absolut nichts für Anfänger ist.

Also – seid selbstbewusst. Allein, dass Ihr bereit seid, etwas Neues auszuprobieren, ist ein Grund worauf Ihr stolz sein dürft. Das machen nicht alle Menschen und verwehren sich damit die Möglichkeit, großartige und aufregende Erfahrungen machen zu dürfen.

Das gewisse Extra für Bondage Fans

Ihr habt jetzt so richtig Blut geleckt und könnt es kaum abwarten, bis Ihr Eure ersten Bondage Sessions erlebt?

Hier stellen wir Euch dafür noch ein paar passende Toys vor, mit denen gerade die ersten Abenteuer richtig aufregend werden. Denkt jedoch daran, dass Ihr schon mit einem einfachen Seil oder einem Schal heiße Ergebnisse erzielen könnt.

BDSM Möbel

Für BDSM gibt es nicht nur Toys, sondern richtige Möbel, wie zum Beispiel Bodenpranger, bei denen der Sub auf dem Bauch liegt und an Händen und Füßen festgeschnallt wird, sodass er oder sie alles willig empfangen muss, was sich sein Dom ausdenkt.

Oder wie wäre es mit einem Sklavenstuhl, den es auch in Hocker-Variante gibt? Bei diesem besonderen Stuhl wird der Sklave oder die Sklavin mit Bondage bewegungsunfähig gemacht. Auch perfekt in Kombination mit einer Maske, Knebel oder Augenbinde.

Sehr beliebt und aus Filmen Euch sicherlich bekannt ist das Andreaskreuz. Hier könnt Ihr Euren Partner in eine gespreizte Position bringen und dank der Fesseln, die oft aus Leder sind, komplett unterwerfen. Ein Andreaskreuz bringt meist allein durch sein Aussehen schon richtig viel Spannung mit sich und ist auch in mobiler Variante mit Rollen verfügbar. Damit könnt Ihr Euch jedes Mal neu entscheiden, wo die heiße Bondage-Session abgehalten wird.

Wenn es mal etwas härter zugehen sollte, gibt es hierfür auch Sexmaschinen und ihre dazugehörigen Halter. Es kann auch viel Spaß machen, seinem Partner dabei zuzusehen, wie er von eine dieser Maschinen immer härter genommen wird. Das geht auch sehr gut in Kombination mit einem Pranger, sodass der Partner oder die Partnerin zum Beispiel von hinten genommen wird, während ihr oder ihm genüsslich dabei zuschauen könnt. Vielleicht übernehmt Ihr sogar die Kontrolle über die Intensität der Maschine.

Nicht nur für BDSM-Spiele, sondern auch allgemein für das gemeinsame Sexleben unglaublich bereichernd, sind Sexschaukeln. Mit diesen tollen Schaukeln lässt sich nicht nur jede Stellung viel einfacher ausleben. Ihr habt auch im wahrsten Sinne des Wortes mehr Schwung beim Zustoßen. Den gesparten Kraftaufwand könnt Ihr dadurch viel besser woanders benutzen. Sexschaukeln gibt es bereits für den kleinen Geldbeutel. Wichtig ist hierbei nur, dass Ihr Euch vorher informiert, wie Eure Decken beschaffen sind. Falls die Decke sich bei Euch nicht eignet, dann gibt es diese Schaukeln auch für Türrahmen. Superpraktisch, gerade, wenn man für den Anfang noch nicht viel Geld ausgeben möchte.

Wenn Ihr auf der Suche nach etwas härteren Maßnahmen für Ihn seid, dann eignen sich Penispranger perfekt. Mit diesen Gestellen, die meist aus glattem Metall bestehen, lässt sich der Penis des Sklaven regelrecht “an den Pranger stellen”. Mithilfe von Schrauben wird hier das beste Stück in die Klemme genommen – oft auch mit einem Bereich extra für den Hoden. So könnt Ihr sichergehen, dass sich der Sklave nicht bewegen kann und habt gleichzeitig freien Zugang zu seinem Penis. Damit lassen sich ganz viele Spielereien ausleben, die allerdings grundsätzlich eher etwas für BDSM-Fortgeschrittene sind.

Sexspielzeug

Natürlich gibt es nicht nur Möbel für die heiße BDSM-Welt. Sextoys bieten Euch hier so viel Auswahl, dass man am Anfang erstmal etwas überfordert sein kann.
Gerade, wenn Ihr Anfänger seid, eignen sich Sets, die sich speziell an Neulinge richten. Sie beinhalten meistens praktische Toys wie eine kleine Peitsche, Augenmasken und Handschellen mit weichem Plüsch, damit das Tragen so angenehm wie möglich ist. Lasst Euch nicht von den wenigen Toys in die Irre leiten. So eine kleine Peitsche kann den ein oder anderen Schmerz ziemlich zielgenau ausführen. Gleichzeitig macht sie auch beim Vorspiel für zarte, neckende Streicheleinheiten viel Spaß.

 Wenn Ihr für das nächste Level bereit seid, können Sextoys wie Keuschheitsgürtel oder Knebel mit aufgesetztem Dildo interessant werden. Ersterer wird für die Kontrolle des Partners benutzt. So ein Keuschheitsgürtel ist gerade im Alltag eine große Bereicherung, die einen immer daran erinnert, wer hier die Oberhand in der Beziehung hat. Die meisten Gürtel kommen mit Metallschlössern, deren Schlüssel nur der Dom besitzt. Es gibt hier auch Varianten mit Öffnung, sodass Ihr auch zwischendurch auf die Toilette könnt, ohne jedes Mal Euren Meister bzw. die Meisterin um Erlaubnis fragen zu müssen.

Knebel gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Solche mit Dildo sind jedoch besonders reizvoll anzusehen und zu benutzen. Während Euer Partner durch den Knebel im Mund vollkommen unfähig ist, auch nur ein süßes Widerwort auszusprechen, könnt Ihr Euch genüsslich auf den Dildo setzen oder ihm einen Blowjob geben, während Euer Sklave dabei zusehen muss. Eine heiße Angelegenheit, die schon mit einem kleinen Budget auch jedes Anfängerherz zum Klopfen bringen kann.

Ein Spielzeug darf nicht fehlen: die Peitsche. Auch sie kommt in vielen verschiedenen Varianten, aus unterschiedlichen Materialien und in verschiedenen Größen. Bei Peitschen achtet man nicht nur auf die Beschaffenheit, sondern auch die Breite und Länge der Riemen, denn diese sind am Ende dafür verantwortlich, wie heftig oder sanft Eure Schläge ausfallen werden. Als Materialien eignen sich weiches Echtleder oder Kunststoff, wenn du lieber auf tierische Materialien verzichten möchtest. Wie oben bereits erwähnt, werden Peitschen nicht nur für die reine Bestrafung gerne benutzt. Gerade bei Bondage kann es sehr heiß sein, wenn Ihr Euren Partner ganz sanft mit der Peitsche am ganzen Körper berührt. Besonders in den unteren Regionen fühlt sich so eine Peitsche sehr aufregend an.

Reizstromgeräte

Profis werden sie bereits kennen und nur für diese sind diese Produkte meist auch geeignet: Reizstromgeräte. Es gibt Sexspielzeuge, die einen kribbelnden Unterschied zu anderen Toys besitzen. Sie erregen Euch zusätzlich mit Strom, wofür meist ein externes Reizstromgerät notwendig wird, das die benötigte Power liefert.

E-Stimulation ist ein eigenes, heißes Gebiet von BDSM, das es sich lohnt, auszuprobieren. Achte hier auf jeden Fall auf die jeweiligen Empfehlungen der Händler, was sich für Anfänger eignet und was nicht. Mit Strom ist in jedem Fall nicht zu spaßen und schon gar nicht in der Nähe von Badewannen oder Duschen.

Bekleidung für Sie und Ihn

Eines, was beim Bondage oft nicht fehlen darf, ist die passende Kleidung. Dadurch komt Ihr nicht nur besser in Stimmung, Ihr könnt bestimmte Rollenspiele viel authentischer ausleben.

Egal, ob Ihr Lust auf Latex habt oder die heiße Schwesternkleidung an Eurem Partner sehen wollt, es lohnt sich hier wirklich, ein bisschen zu suchen und einfach mal verschiedene Outfits auszuprobieren.

Bereits einfache Dinge wie besonders heiß aussehende Lackstiefel oder der Catsuit können die ganze Atmosphäre mit einem Schlag in eine heiße, düstere Richtung lenken. Schon beim Anziehen wird sich Eure Lust bemerkbar machen. So habt Ihr bereits vor dem Liebesspiel richtige Vorfreude und kommt in die Stimmung, die Ihr Euch für die gemeinsame Zeit wünscht.

Wenn es etwas spezieller sein soll, gibt es natürlich auch hierfür die passende Kleidung. Suits in Verbindung mit Pet-Masken, damit Euer Sklave gleich weiß, wo sein Platz ist. Oder steht Ihr besonders auf das geile, knisternde Gefühl von Lack? Dann werdet Ihr von der Vielfalt regelrecht erschlagen. Von Kombiteilen mit Netz Look bis hin zu Ganzkörperanzügen oder heißen Miniröcken gibt es hier wirklich alles, was man sich nur wünschen kann.

Die besten Bondage-Techniken

Bei Bondage gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, Eure Fesselsucht auszuleben. Ob mit Seilen oder Handschellen, auf einem Sklavenstuhl oder einfach auf Eurem Bett – die Grenzen setzt Ihr Euch selbst. Als Anfänger empfehlen wir Euch entweder die Methode mit Handschellen, die mit weichem Plüsch bedeckt sind oder die Nutzung eines Bondageseils. Hier empfiehlt sich ein Seil mit ungefähr 8mm Dicke, das aus Baumwolle besteht. Für den Anfang unterlasst bitte das Benutzen von Kabelbindern oder anderen Seilen, die aus Kunststoff bestehen. Ein Seil aus Baumwolle eignet sich im Gegensatz dazu perfekt für Eure ersten Schritte.

Ihr solltet auch ein wenig Zeit damit verbringen, Knoten zu üben, denn Bondage heißt nicht einfach nur “irgendwie fesseln”, Ihr musst immer auf die Sicherheit der oder des Gefesselten achten. Bedeutet im Klartext: Die Knoten, die Ihr benutzt, dürfen sich nicht versehentlich zu sehr festziehen und sollten im Notfall leicht zu lösen sein.

Für diese Fälle eignet sich zum Beispiel der sogenannte “Achterknoten”, der Euch bereits bekannt vorkommen könnte, falls Ihr in Eurer Freizeit segelt. Bei diesem Knoten besteht der Vorteil darin, dass er sich auch unter hoher Belastung nicht fester zuzieht. Benutzen könnt Ihr ihn sowohl für Schlaufen als auch für die Verbindung von Seilen.

Falls Ihr mal keine Handschellen zur Hand haben solltet, gibt es den sogenannten “Handschellenknoten”. Bei diesem Knoten müsst Ihr allerdings beachten, dass er sich, anders als der Achterknoten, bei Belastung zusammenzieht und somit in die Haut einschneidet. Der Handschellenknoten eignet sich daher auch nur für leichte Fesselspiele, ist also gut für sanfte Anfangsspielchen geeignet.

Wie sage ich meinem Partner, dass ich Bondage ausprobieren möchte?

Ihr seid neugierig, habt Euch informiert, und wollt Bondage unbedingt einmal ausprobieren. Das einzige Problem? Euer Partner weiß noch gar nichts davon.

Das ist überhaupt kein Problem, denn hier kommt im Grunde die erste Probe für Eure eventuellen BDSM-Abenteuer. Genauso, wie es Mut erfordert, diese Praktiken überhaupt auszuprobieren, so bedarf es auch ein wenig davon, um seinem Partner davon zu erzählen.

Sucht Euch am besten eine Zeit, in der Ihr beide ohnehin entspannt miteinander ein paar Stunden verbringt, zum Beispiel nach einer heißen Runde Sex. Seid einfach ehrlich und offen, erzählt von Eurer Neugierde und fragt Euren Partner, was er oder sie davon hält, einfach mal etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht seid Ihr ja überrascht, wie positiv die Gegenreaktion ausfallen wird?

Eines steht jedenfalls fest: Bondage beruht auf Vertrauen. Und dieses Vertrauen fängt bereits bei dem ersten Gespräch an, dass Ihr mit Eurem Partner über die Kunst der Fesselung führt. Es lohnt sich!